Trump’s Sieg ? Die Mehrheit hat Hillary gewählt!

Aus gegebenem Anlass ein Eintrag zu einem Ereignis außerhalb des Nahen Ostens, meines derzeitigen Berichtsgebietes:
So tief der Schock über den Wahlausgang in den USA sitzt – sich jetzt ständig in Untergangszenarien zu ergehen ist, well, bad attitude. Wer in Gejammer versinkt, übersieht schnell wichtige Fakten. Zum Beispiel, dass die Mehrheit der Amerikaner am 8. November nicht Donald Trump, sondern Hillary Clinton gewählt hat. Trumps Wahlsieg geht auf das – mit Verlaub – ziemlich absurde System des „electoral college“, des Wahlmännergremiums zurück. Der Filmemacher Michael Moore erklärt das in seinem, wie immer wuchtigen, Kommentar zur Wahl und gibt seinen Landsleuten gleich noch eine „To-Do-List“, um gegen den Trumpismus anzutreten.

Es lasse sich also niemand einreden, in den USA seien am 8. November Liberalismus und progressive Politik gestorben. Sie haben einen KO-Schlag einstecken müssen. Und jetzt beginnt die Arbeit, sie wieder auf die Beine zu bringen. Auch und gerade in Europa, wo die Rechtspopulisten jubilieren und hoffen, bei den nächsten Wahlen in Frankreich und Deutschland auf der Trump-Welle reiten zu können. Also noch eine „To-Do-List“: Lesen, analysieren, unkonventionell denken, handeln.

Deshalb an dieser Stelle eine weitere Lektüre-Empfehlung: Ein Kommentar meines Kollegen Lenz Jacobsen von ZEIT Online über die Macht des Politischen, die mit der Wahl Trumps zurückgekehrt ist. Und eine Analyse der Gründe für Trumps Popularität. Ausführlich und lohnend.

Die Rechten in den USA haben immer gewusst, dass permanenter politischer Aktivismus unerlässlich ist. Die Linken und Liberalen haben sich nach ihren Wahlerfolgen – Clinton in den 1990ern und Obama in den 2000ern – lieber zurück gelehnt und waren dann enttäuscht, wenn ihre Präsidenten in Washington gegen Mauern liefen. Also, dies- und jenseits des Atlantiks: Wake Up! It’s Showtime!

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Beirut, my Love

Das Schöne muss man in diesen Zeiten fest halten, wann immer es einem begegnet.
Beirut am Abend – die phantastische Fassade des ebenso phantastischen Sursock-Museum.

img_0816-1

©Andrea Böhm

Veröffentlicht unter Beirut! | Verschlagwortet mit , | Kommentar hinterlassen

Mossul

Mossul heisst der Grund für die kleine Blog-Pause. Ich war einige Zeit rund um die „Hauptstadt“ des „Islamischen Staates“ unterwegs.

img_0569-1

©Andrea Böhm

Meine Reportage über die Offensive zur Befreiung der Stadt und über die Lebensgeschichte der Mossulerin Maysoon Al Bayati ist in der aktuellen Ausgabe der ZEIT zu lesen – und demnächst auch bald auf ZEIT-Online.

img_0832-1

Auf dem Mossul-Blog von ZEIT-Online erscheinen zudem Posts von meinem Kollegen  Yassin Musharbash und mir. Mein jüngster Eintrag dort ist einem anderen Blogger gewidmet: dem anonymen Autor von „Mosul Eye“, einem unendlich mutigen Menschen, der seit der Eroberung seiner Stadt durch den IS dessen Verbrechen und Taktiken dokumentiert.

Veröffentlicht unter Irak | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Ein Sonntag im Park…

img_0396

Kinder entdecken die Flora im Horsh @Andrea Böhm

…mit Picknick, Fußball, Live-Musik und Kindern auf und in den Bäumen ist in Beirut eine Sensation. Weil es schlicht kaum Parks gibt. Und wenn doch, wird streng darauf geachtet, dass möglichst wenige Leute oder nur ganz bestimmte Leute ihn betreten.

Das war lange Zeit das Schicksal des Horsh Beirut, der größten Grünfläche der Stadt. Im Bürgerkrieg komplett zerstört und abgeholzt, mit französischer Hilfe vor zehn Jahren aufgeforstet, blieb der Park für die Öffentlichkeit  – geschlossen. Nicht ganz, aber weitgehend. Offensichtlich westliche, blonde AusländerInnen wie ich durften rein, offensichtlich Wohlhabende, die mit der Rolex und dem Galaxy Samsung Smartphone joggen, auch.
Die Begründung der Stadtverwaltung: Menschen – gemeint sind solche der unteren Einkommensschichten – machen Dreck, und Dreck macht den Park hässlich.

Für politisch Verantwortliche, die ihren Bürgern seit Jahren den Müll vor die Füße, in die Flüsse oder ins Meer kippen, ist das ein gewagtes Argument. Es hielt dann auch nicht mehr stand. Nachdem über 20 libanesische NGOs immer wieder den Park belagert, Flash-Mob-Picknicks (mit blonden Perücken) organisiert und sonst wie demonstriert hatten, wurde der Horsh nun wenigstens für einen Tag in der Woche geöffnet. Und zwar Samstags von sieben Uhr morgens bis sieben Uhr abends. Man stelle sich vor, die Berliner Stadtverwaltung würde sich das mit dem Tiergarten erlauben.

Es geht hier, wohl gemerkt, nicht nur um ein bisschen Grün in einer verbauten und verdreckten Stadt. Es geht um öffentliche Räume, die alle Bewohner nutzen können. Und wo sich Angehörige aller Konfessionen aus ihren segregierten Wohnvierteln herausbewegen und in einem Park ganz einfach mal nur Beirutis sein können. Genau das ist der wahre Grund, warum die Stadtverwaltung den Horsh behandelt wie einen privaten Club. Der Park liegt zwischen dem überwiegend sunnitischen Viertel Tariq al Jadideh und der schiitischen südlichen Vorstadt. Man fürchtet Zoff. Nur: wenn die Bürger nirgendwo mehr zusammen kommen können, wo sollen sie dann lernen, mit einander zivil umzugehen?

Was passiert, wenn sich Angehörige all dieser Gruppen begegnen, konnte man am vergangenen Wochenende sehen. Da gab’s ein Festival, organisiert unter anderem vom Beiruter Büro der Heinrich-Böll-Stiftung. Kindertheater, Trommel-Workshops, Zirkus, Live-Musik und Einführung in die Kunst eine Straußen-Farm zu führen. Wusste gar nicht, dass es das im Libanon gibt.
All das bei freiem Eintritt. In Berlin oder Hamburg völlig normal, hier ein Wagnis. Denn da konnte ja jeder kommen. Auch die syrischen Flüchtlinge aus den Notunterkünften und die Palästinenser aus den Camps, unter anderem aus Schatila nahe des Parks. Die kamen auch. Die Syrer brachten Essen mit, die Palästinenser ihr Dudelsack-Orchester. Ja, richtig gehört: Die spielen Dudelsack …

img_0440

Musikerinnen von Beit Atfal Assumoud @Andrea Böhm

….und zwar gut! Ich hoffe, sie trauen sich auch am nächsten Samstag her, wenn kein Festival mehr stattfindet.

Was bleibt? Der Kampf um die Öffnung des Horsh am Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Sonntag. Außerdem die Rückeroberung öffentlicher Strände in Beirut. Auch nur einen Quadratmeter öffentlichen Raum zu verteidigen, kostet unendlich viel Mühe in dieser Stadt. Aber sie lohnt sich dann doch.

Veröffentlicht unter Keep Calm, Beirut! | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Syrien: Waffenruhe und weiter hungern

Hier meine Einschätzung zur „Waffenruhe“ in Syrien, erschienen auf ZEIT-Online kurz vor deren Inkrafttreten.

img_0387

Zur Aktualisierung sei noch gesagt, dass Baschar al-Assad am Montag ankündigte, er werde „jedes Gebiet unter Kontrolle von Terroristen zurückerobern“, womit er bekanntlich die gesamte Opposition meint. Die Aufhebung der Belagerungsringe ist nicht Teil der Abmachung, die zwischen den USA und Russland am vergangenen Samstag in Genf getroffen wurde. Zu Pessimismus besteht also jede Menge Anlass – und wie immer wünscht man sich nichts mehr, als durch ein Wunder eines Besseren belehrt zu werden.

Zu weiteren Lektüre empfohlen: Eine gute Zusammenfassung der BBC über die aktuellen Entwicklungen mitsamt eine Chronologie vergangener Abmachungen über Waffenruhen und Abrüstung.

Lesenswert ist auch das Interview, das die Syrien-Expertin Kristin Helberg dem Deutschlandfunk gegeben hat.

Wer mehr über den Aufstieg der Al Kaida-nahen Al-Nusra-Front in Syrien erfahren will, findet gute Hintergrundinformationen in den Beiträgen von Charles Lister vom Washingtoner Middle East Institute.

Veröffentlicht unter Syrien | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Back in Beirut…

Retrieving Beirut

…wo die Müllkrise weiter schwelt, immer noch kein Präsident amtiert (der Libanon hat seit über zwei Jahren kein Staatsoberhaupt) und weiterhin regel-und unregelmäßig der Strom ausfällt.

Aber der Himmel macht alles wieder wett.

rue Goroud

 

Veröffentlicht unter Keep Calm, Beirut!, Libanon, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Die Augenzeugen von Aleppo

Nach der Sommerpause und dem Versuch, von meinem Berichtsgebiet etwas Abstand zu nehmen (was nicht wirklich gelungen ist), hier die Stimme eines Arztes über die Lage in Aleppo. Samer Attar ist ein syrischer Chirurg, der inzwischen in den USA lebt und arbeitet, sich aber unter Lebensgefahr immer wieder in den oppositionellen Teil der Stadt schmuggeln lässt, um dort Kriegsopfer zu operieren. Warum er das tut, hat er vor einigen Tagen für die New York Times aufgeschrieben.
Die Aussichten, von außen – also von der viel beschworenen internationalen Gemeinschaft – Hilfe zu bekommen, sind in Aleppo wie auch in ganz Syrien inzwischen gleich Null. Aber das Mindeste ist, denen zuzuhören, die mit eigenen Augen gesehen haben, was dort passiert.

CHICAGO — The hospital where I work in Aleppo, Syria, is in a basement. The building above has been bombarded so many times that the top floors are too dangerous to use. Barrels and sandbags line the entrance to fortify it as a bunker. ….

Veröffentlicht unter Keep Calm, Syrien | Verschlagwortet mit , | Kommentar hinterlassen