Not so bad: wie sich Amerikaner auf Trump vorbereiten

„Not so bad news“ – diese Kategorie von Nachrichten ist wichtiger denn je. Nicht, damit man sich einreden kann, dass alles nicht so schlimm ist. Sondern, um das Wichtigste im Blick zu behalten: die Möglichkeiten, auf den globalen Rechtsruck zu reagieren. Und die Menschen, die das längst tun.
Schreien ist natürlich immer gut ….

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 Wandbild in der Lower East Side ©Andrea Böhm

… aber es gibt auch noch andere Optionen. Hier zwei Beispiele aus den USA:
Donald Trump will nicht nur  eine Mauer entlang der amerikanisch-mexikanischen Grenze bauen (inzwischen soll es in einigen Abschnitten „nur“ ein Zaun sein), sondern auch Millionen von illegalen Immigranten abschieben.
Die Bürgermeister mehrerer amerikanischer Großstädte – darunter New York, Chicago, Seattle, San Francisco und Los Angeles – haben nun erklärt, dass sie „sanctuary cities“, also „Städte der Zuflucht“ sind. Sie werden Anordnungen von Massenabschiebungen nicht befolgen und dabei auch nicht mit Bundesbehörden kooperieren.
Warum es „sanctuary cities“ schon lange gibt, warum Immigranten ohne Aufenthaltsstatus in vielen amerikanischen Städten ihre Kinder zur Schule schicken, Steuern zahlen, aber auch Sozialleistungen empfangen, und warum auch die meisten Polizeiverbände in den USA das für richtig halten, erklärt dieser Artikel in der „Washington Post“.

Was in den vergangenen Jahrzehnten nur zäh oder gar nicht voran gekommen ist, hat Trumps Wahlsieg in wenigen Tagen möglich gemacht: Eine große Allianz zwischen Juden und Muslimen.
Zwei der größten Verbände dieser Glaubensgemeinschaften, das „American Jewish Committee“ und die „Islamic Society of North America“, haben die Gründung des gemeinsamen „Muslim-Jewish Advisory Council“ bekannt gegeben. Seine Ziele: die Leistungen von Juden und Muslimen in der amerikanischen Gesellschaft hervorheben und in der Ära Trump eine gemeinsame Strategie gegen Islamophobie und Anti-Semitismus entwickeln.
Zu den Gründungsmitgliedern gehören Geschäftsleute, Kongressabgeordnete, Bürgerrechtler, Rabbiner, Imame. „Unsere Glaubensgemeinden haben viel gemeinsam“, erklärte der Ko-Vorsitzende des Rats, Stanley Bergman, „und sie sollten, wo immer möglich, Wege finden, zum Wohl des Landes zusammenzuarbeiten.“

Na endlich, möchte man sagen – und den „Muslim-Jewish-Advisory Council“ gleich den entsprechenden Gruppen in Europa zur Nachahmung empfehlen. Und die Nicht-Muslime und Nicht-Juden? Bitte spenden, unterstützen und kooperieren.

Not so bad news – davon gibt’s demnächst mehr an dieser Stelle.

Über andreaboehm61

Ich bin Korrespondentin für den Nahen und Mittleren Osten für die Wochenzeitung "Die Zeit" und lebe in Beirut. Ich schreibe und blogge auch, aber nicht nur, über Krisen und Konflikte. Mich interessieren sichtbare und unsichtbare Routen und Grenzen, der Alltag von Menschen in Krisengebieten, die Krisen in ihrem Alltag und ihre Kunst des Überlebens. I am the correspondent for Middle Eastern Affairs for the German weekly "Die Zeit" based in Beirut, Lebanon. I write and blog about conflicts, crises and upheavals in the region. And about the art of survival, about visible and invisible routes and borders, about the daily life of people in regions of crisis and about the crises in their daily lives.
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