Der Kampf um Mossul – eine Reise in den Irak

Zurück von einer Reise in den Irak – an den Tigris zum Mossul-Staudamm, um dessen Stabilität es schlecht bestellt ist. Und an die Front nach Makhmour, von wo aus die irakische Armee in Richtung Mossul vor zu rücken versucht. Iraks zweitgrößte Stadt ist seit dem Sommer 2014 in der Hand des „Islamischen Staates“. Hier meine Reportage aus der aktuellen Ausgabe der ZEIT.

Peshmerga base

Ausblick von einem Hügel am Mossul-Staudamm. Der IS hatte Iraks größte Talsperre im Sommer 2014 kurzzeitig besetzt. Peschmerga eroberten sie mit amerikanischer Hilfe zurück und sichern sie nun gegen neue Angriffe des IS

Der Damm wurde Mitte der 80er Jahre unter Saddam Hussein gebaut. Schon damals war bekannt, dass der geologische Untergrund wasserlösliche Schichten aus Gips und Ton enthält. Seit der Damm in Betrieb ist, muss täglich Zement in den Boden unter der Staumauer gespritzt werden, im Aushöhlungen zu vermeiden.
Während der Kämpfe gegen den IS wurden die Arbeiten im Sommer 2014 gestoppt, was die Stabilität der Mauer weiter gemindert hat.

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Spuren des IS: ein selbst gebautes Artilleriegeschütz nahe des Staudamms

Internationale Fachleute warnen schon seit Jahren vor einem Kollaps – und einer Flutkatastrophe, welche die Stadt Mossul 40 Kilometer unterhalb es Dammes zerstören und über eine halbe Million Menschen das Leben kosten könnte. Der Stausee enthält elf Milliarden Kubikliter Wasser. Das Hydro-Kraftwerk sowie kleinere Kraftwerke flussabwärts versorgen Mossul und andere Städte mit Strom. Normalerweise.

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Ein Ingenieur  in einem Tunnel im Inneren der Staumauer

Denn seit der IS die Stadt unter Kontrolle hat, versucht die irakische Regierung, Mossul von Versorgungsleistungen abzuschneiden.

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Blick von der Staumauer auf den See

Folglich steigt besonders während der Schneeschmelze im Frühling der Wasserpegel – und damit auch der Druck auf die Staumauer. Um diesen zu senken, wurde nun eine der Schleusen geöffnet.

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Kurdische Peschmerga vor der geöffneten Schleuse.

Ingenieure der US-Armee warnen seit Jahren, dass der Mossul-Staudamm instabil ist. Allerdings haben die USA während der Okkupation des Irak selbst keine größeren Reparaturen eingeleitet.
Die irakische Regierung hat mittlerweile die Bevölkerung von Mossul aufgefordert, Häuser in der Nähe des Fluss-Ufers zu verlassen. Bloß hat Bagdad keinerlei Kontrolle über das, was in Mossul passiert. Wie dessen Bewohner auf die Warnung reagiert haben, ist schwer zu sagen. Flüchtlinge aus der Stadt, die Kontakt zu Verwandten und Freunden halten, berichten, dass inzwischen fast alle Häuser am Ufer des Tigris verlassen seien.

Aus Mossul zu fliehen, ist mittlerweile extrem gefährlich. Der IS hat die Ausfallstraßen blockiert. Nur wer Schmuggler bezahlen kann, hat eine Chance, zu entkommen.
Die Stadt ist ein riesiges Gefängnis geworden – und der Fluss, an dem sie liegt, zu einer tödlichen Bedrohung.

Über andreaboehm61

Ich bin Korrespondentin für den Nahen und Mittleren Osten für die Wochenzeitung "Die Zeit" und lebe in Beirut. Ich schreibe und blogge auch, aber nicht nur, über Krisen und Konflikte. Mich interessieren sichtbare und unsichtbare Routen und Grenzen, der Alltag von Menschen in Krisengebieten, die Krisen in ihrem Alltag und ihre Kunst des Überlebens. I am the correspondent for Middle Eastern Affairs for the German weekly "Die Zeit" based in Beirut, Lebanon. I write and blog about conflicts, crises and upheavals in the region. And about the art of survival, about visible and invisible routes and borders, about the daily life of people in regions of crisis and about the crises in their daily lives.
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