In Memoriam

Es sind beschissene Zeiten, und manchmal bleibt einem nur, derer zu gedenken, die für viele Vorbild waren.

Almigdad Mojalli starb Anfang der Woche bei einem Luftangriff vermutlich saudischer Kampfbomber auf die jemenitische Hauptstadt Sana’a. Mojalli galt als einer der führenden Journalisten des Landes. Als freier Reporter arbeitete er unter anderem für „Voice of America“ sowie britische Medien und war damit einer der wenigen Kollegen, die Informationen über den Krieg im Jemen in eine internationale Öffentlichkeit brachten.

Die Kriegsparteien – Houthi-Rebellen, regierungstreue Milizen, und eine von Saudi-Arabien geführte Allianz – verwüsten das Land derzeit mit Luftangriffen, Belagerungsringen, Landminen, Streubomben. Der Jemen war schon vor Kriegsbeginn das ärmste Land in der arabischen Welt. Jetzt ist er ein Katastrophengebiet. Allerdings ein weitgehend unsichtbares, weil kaum über diesen Krieg berichtet wird. Nach Mojallis Tod wird es noch weniger sein. Hier zwei seiner letzten Reportagen.
Mojalli wurde 35 Jahre alt.

Fast zur gleichen Zeit kam Leila Alaoui in Burkina Faso ums Leben. Die marokkanisch-französische Photographin war bekannt für ihre großartigen Porträts von Migranten und von ihren Landsleuten in Marokko. Auf Marktplätzen in Marrakesch und anderen Städten baute sie oft ein kleines Studio auf und fragte die Leute, ob sie sich fotografieren lassen wollten. Ihre Serie „Les Marocains“ ist eine Liebeserklärung an das Land ihres Vaters.

Am 16. Januar hielt sie sich in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso auf, und arbeitete im Auftrag von Amnesty International an einer Photoserie über Frauenrechtlerinnen. Sie wurde durch Gewehrschüsse schwer verletzt, als ein Al Kaida-Kommando einen Anschlag auf ein Hotel in der Stadt verübte, bei dem unmittelbar 27 Menschen getötet wurden, darunter auch Alaouis Fahrer Mahamadi Ouédraogo. Alaoui starb zwei Tage später im Alter von 33 Jahren.
Sie hinterlässt einen wunderbaren, realistischen Blick auf diese kaputte, schöne Welt.

Über andreaboehm61

Ich bin Korrespondentin für den Nahen und Mittleren Osten für die Wochenzeitung "Die Zeit" und lebe in Beirut. Ich schreibe und blogge auch, aber nicht nur, über Krisen und Konflikte. Mich interessieren sichtbare und unsichtbare Routen und Grenzen, der Alltag von Menschen in Krisengebieten, die Krisen in ihrem Alltag und ihre Kunst des Überlebens. I am the correspondent for Middle Eastern Affairs for the German weekly "Die Zeit" based in Beirut, Lebanon. I write and blog about conflicts, crises and upheavals in the region. And about the art of survival, about visible and invisible routes and borders, about the daily life of people in regions of crisis and about the crises in their daily lives.
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