Nachrichten aus einem überfüllten Land (4): Camp 51127_01_013

Anfang Dezember, ein Besuch in einem Flüchtlingslager in Zahle in der Bekaa-Ebene. Der UNHCR hat inzwischen über drei Millionen syrische Flüchtlinge registriert, geschätzte 1,4 Millionen sind im Libanon. Mindestens ein Viertel der Bevölkerung in diesem Land besteht inzwischen aus Flüchtlingen – ein Weltrekord, den keiner haben will.
Die wenigsten Syrer geben sich noch der Illusion hin, bald wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Anders die libanesische Regierung, die sich weiter an den Irrglauben klammert, die Syrer würden bald wieder verschwinden. Deshalb dürfen im Libanon keine offiziellen Flüchtlingslager eingerichtet werden. Informal Tented Settlements (ITS) werden die Notunterkünfte genannt. Informelle Zeltsiedlungen, die keine Namen, sondern Zahlencodes haben.

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Doch die ersten Familien haben längst feste Türen an die Zelteingänge gebaut, Stromleitungen gelegt, Satellitenschüsseln installiert. Irgendwo treibt jemand ein ausrangiertes Karussell auf, NGOs schicken mobile Ärzteteams, UNICEF darf eine „informelle Schule“ einrichten. Der erste Kiosk wird eröffnet. Die Männer suchen in den umliegenden Dörfern nach Arbeit und finden meist keine. Langeweile, Frust – verstärkt durch die wachsende Feindseligkeit seitens vieler Libanesen, die mit diesem Ansturm überfordert sind. Dann wieder kleine Freudenfeiern: die nächste Hochzeit, die nächste Geburt eines Kindes.

Dies sind die Bilder aus ITS 51127_01_013, einem der besseren Camps im Libanon.
Spuren des Übergangs – vom informellen Flüchtlingslager zur dauerhaften Armutssiedlung.

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Eingang zu einem Zelt

 

 

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Spiegelbild einer Frau in der Camp-Klinik

 

 

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Kiosk des Camps in Zahle

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Gasse im Camp

 

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Syrerin auf dem Kinderspielplatz von Camp 51127_01_013

 

 

 

 

Über andreaboehm61

Ich bin Korrespondentin für den Nahen und Mittleren Osten für die Wochenzeitung "Die Zeit" und lebe in Beirut. Ich schreibe und blogge auch, aber nicht nur, über Krisen und Konflikte. Mich interessieren sichtbare und unsichtbare Routen und Grenzen, der Alltag von Menschen in Krisengebieten, die Krisen in ihrem Alltag und ihre Kunst des Überlebens. I am the correspondent for Middle Eastern Affairs for the German weekly "Die Zeit" based in Beirut, Lebanon. I write and blog about conflicts, crises and upheavals in the region. And about the art of survival, about visible and invisible routes and borders, about the daily life of people in regions of crisis and about the crises in their daily lives.
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