Die Medien und das Kalifat – oder: wie berichtet man über den „Islamischen Staat“?

Was ist das „Kalifat“, das der Terroristenführer Abu Bakr al Baghdadi am 29. Juni 2014 ausrief? Ein radikal-islamistischer Staat, eine Okkupationsmacht, ein kriminelles Kartell, ein kleines Ölimperium oder ein omnipotentes Ungeheuer? Letzteres könnte man aus der oftmals hysterischen Medien-Berichterstattung schließen.

Die Brutalität der IS-Kämpfer ist unbestritten, ihre Kriegsverbrechen sind inzwischen gut dokumentiert. Aber die mediale Stilisierung zum Inbegriff des Bösen ist erstens Unsinn – da gibt es reichlich Konkurrenz, zum Beispiel in Gestalt des Assad-Regimes. Zweitens spielt sie der IS-Propaganda in die Hände. Denn sie verstärkt dessen Selbstbild von den unbesiegbaren Gotteskriegern.

An dieser Stelle deswegen eine Leseempfehlung (und Eigenwerbung): Die aktuelle ZEIT kaufen, Seite 6 aufschlagen und den Artikel von unserem Reporterteam lesen! Wir haben in sieben Ländern, darunter in Syrien, im Irak, in der Türkei recherchiert.
Wir haben kurdische Peshmerga und jesidische Flüchtlinge, Schmuggler und Terror-Experten interviewt.

Peshmerga Nordirak

Kurdischer Peshmerga im Nordirak an der Frontlinie zum IS-Gebiet – aufgenommen im Oktober 2014

Wir haben mit Untergrund-Aktivisten im syrischen Raqqa gesprochen und Einblicke in den Alltag der Bewohner des irakischen Mosul erhalten – beides Städte, die seit unter der Herrschaft des IS stehen.
Unser Fazit: der IS ist keineswegs so mächtig, wie er gern gezeichnet wird – und wie er sich selbst gern zeichnet. Er ist kein funktionierender Staat – und schon gar keine Ölmacht. Das ändert nichts an seiner Brutalität und am Leiden der Bevölkerung. Aber es trägt hoffentlich zu einer besseren Analyse dieser Organisation bei.

Ölfeld in Nordsyrien 2

Ölfeld im umkämpften Gebiet Nordsyriens – aufgenommen im Oktober 2014

 

Über andreaboehm61

Ich bin Korrespondentin für den Nahen und Mittleren Osten für die Wochenzeitung "Die Zeit" und lebe in Beirut. Ich schreibe und blogge auch, aber nicht nur, über Krisen und Konflikte. Mich interessieren sichtbare und unsichtbare Routen und Grenzen, der Alltag von Menschen in Krisengebieten, die Krisen in ihrem Alltag und ihre Kunst des Überlebens. I am the correspondent for Middle Eastern Affairs for the German weekly "Die Zeit" based in Beirut, Lebanon. I write and blog about conflicts, crises and upheavals in the region. And about the art of survival, about visible and invisible routes and borders, about the daily life of people in regions of crisis and about the crises in their daily lives.
Dieser Beitrag wurde unter War on Terror veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s