Zum Tod von James Foley

Der amerikanische Reporter James Foley, seit 2012 in Syrien entführt, wurde nun offenbar von Terroristen des Islamischen Staates ermordet. Seine Entführer haben in üblicher IS-Manier das Video seiner Enthauptung ins Netz gestellt. Vor allem amerikanische Fernsehsender, unzählige Online-Medien und Facebook-Seiten präsentieren nun die widerwärtige Aufnahme, die Foley auf Knien neben seinem Mörder zeigt  – um dann in aller Betroffenheit und Empörung zu erklären, der Rest sei zu grausam und könne nicht gezeigt werden.
Andere Journalisten haben sich das ganze Video angesehen, um dann zu bekunden, dass die horrenden Szenen nur schwer zu ertragen seien.

Liebe Kollegen: seid Ihr noch zu retten? Mit jedem Anklicken, jedem Sharing, Weiterleiten, Senden, mit jedem Blick auf solche Bilder machen wir uns zum Publikum einer Erniedrigung, Entmenschlichung und Ermordung. Das gilt für alle Aufnahmen der eiskalt inszenierten Mordlust von IS.

Dem eigenen Voyeurismus NICHT nachzugeben, sich NICHT zum Publikum einer Terrorkampagne machen zu lassen, mag wie eine Geste der Hilflosigkeit wirken. Tatsächlich aber ist es das Mindeste an Respekt, den wir den Ermordeten und ihren Hinterbliebenen bezeugen können. Von James Foley gibt es genug Fotos, die ihn als den Menschen zeigen, der er war: ein guter, mutiger Journalist.

Über andreaboehm61

Ich bin Korrespondentin für den Nahen und Mittleren Osten für die Wochenzeitung "Die Zeit" und lebe in Beirut. Ich schreibe und blogge auch, aber nicht nur, über Krisen und Konflikte. Mich interessieren sichtbare und unsichtbare Routen und Grenzen, der Alltag von Menschen in Krisengebieten, die Krisen in ihrem Alltag und ihre Kunst des Überlebens. I am the correspondent for Middle Eastern Affairs for the German weekly "Die Zeit" based in Beirut, Lebanon. I write and blog about conflicts, crises and upheavals in the region. And about the art of survival, about visible and invisible routes and borders, about the daily life of people in regions of crisis and about the crises in their daily lives.
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