Auf ein besseres, neues Jahr – oder: libanesische gute Vorsätze für 2014

Die letzten Stunden des Jahres 2013 verrinnen und Beirut nähert sich einer etwas getrübten Sylvester-Nacht. Der Bombenanschlag von vergangener Woche hat einige Touristen zur unverzüglichen Abreise und andere zur Annullierung ihrer Hotelreservierung veranlasst.

Auch die guten Vorsätze für 2014 klingen dieses Mal eher nach Galgenhumor als nach Vorfreude. „Ten things Lebanon should avoid next year“ hat die Journalistin Maya Gebeily in „NOWLebanon“ aufgezählt. Zehn Dinge, die man nächstes Jahr vermeiden sollte. Darunter: Reisen an die Grenzen (im Süden gibt es hin und wieder Schusswechsel zwischen israelischer und libanesischer Armee, im Norden und Osten zwischen Hisbollah und Anhängern der syrischen Opposition), öffentliche Plätze (wegen des Risikos von Autobomben), sowie Verzehr von Fleisch (nachdem Gebeily sich die Zustände im Beiruter Schlachthof vergegenwärtigt hat, die wirklich übel sind).
Für 2014 würde das also bedeuten, sich mit Obst und Gemüse in die eigenen vier Wände zurück zu ziehen, was natürlich keinem Beiruti auch nur im Traum einfallen würde.

„Ihr kommt doch zu Sylvester“, fragte denn auch gestern Michel, Wirt unserer Lieblingskneipe und nebenbei halb-professioneller Fußballspieler, was in diesem Land kein Widerspruch sein muss. „Wir haben die Straße für uns. Parkverbot. Keine Autos.“ Im Hintergrund knallte und rumste es ordentlich.
Beiruts männliche Bevölkerung zwischen 12 und 45 böllert sich seit Tagen für die große Party warm. Das Militär hält dazu Wache und bittet, nein: ermahnt alle Landsleute, zu Mitternacht nicht mit echter Munition in die Luft zu schießen. Wir werden jedenfalls feiern. Jetzt erst recht.

In diesem Sinne wünsche ich allen LeserInnen dieses Blogs ein gutes, friedliche(re)s neues Jahr – mit einer weiteren Kostprobe der regen Beiruter Straßenkunst-Szene. Keep Calm, Beirut!

IMG_2430

Über andreaboehm61

Ich bin Korrespondentin für den Nahen und Mittleren Osten für die Wochenzeitung "Die Zeit" und lebe in Beirut. Ich schreibe und blogge auch, aber nicht nur, über Krisen und Konflikte. Mich interessieren sichtbare und unsichtbare Routen und Grenzen, der Alltag von Menschen in Krisengebieten, die Krisen in ihrem Alltag und ihre Kunst des Überlebens. I am the correspondent for Middle Eastern Affairs for the German weekly "Die Zeit" based in Beirut, Lebanon. I write and blog about conflicts, crises and upheavals in the region. And about the art of survival, about visible and invisible routes and borders, about the daily life of people in regions of crisis and about the crises in their daily lives.
Dieser Beitrag wurde unter Keep Calm, Beirut! veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s