Ein Arzt im Fadenkreuz: Attentat in Bukavu auf Doktor Denis Mukwege

Auf den kongolesischen Arzt und Menschenrechtler Denis Mukwege ist ein Anschlag verübt worden. Mehrere bewaffnete Männer waren am Donnerstag Abend in sein Haus in Bukavu, Süd-Kivu, eingedrungen und hatten den Arzt bei seiner Rückkehr angegriffen. Einer seiner Leibwächter wurde erschossen, Mukwege selbst blieb unverletzt, die Täter flohen mit seinem Wagen.

Der Gynäkologe leitet seit über zehn Jahren das Panzi-Hospital in Bukavu, eines von zwei Krankenhäusern im gesamten Ostkongo, das sich auf die Behandlung vergewaltigter Frauen spezialisiert hat. Über die verheerenden Kriegsjahre hinweg haben die Ärzte im Panzi nicht nur tausende schwer verletzter und traumatisierter Frauen medizinisch behandelt. Mukwege hat die Fälle auch dokumentiert, internationale NGOs alarmiert und Tätergruppen identifiziert: Rebellenfraktionen wie auch kongolesische Militärs.

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Denis Mukwege mit einer Patientin in Bukavu

Feinde hat er sich also reichlich gemacht. Daran haben auch die zahlreichen internationalen Auszeichnungen nichts geändert, die er im Laufe seiner Arbeit erhalten hat. Der Arzt hatte in jüngerer Zeit offenbar wieder vermehrt Drohungen erhalten.

Die Sicherheitslage im Ostkongo hat sich seit Beginn der M-23-Rebellion wieder dramatisch verschlechtert.  Von Ruanda unterstützte Aufständische liefern sich seit Monaten Gefechte mit der Armee – eine Konfrontation, die wiederum den Spielraum für zahlreiche andere Milizen ausgeweitet hat. Mehrere hunderttausend Menschen sind derzeit auf der Flucht oder in Flüchtlingscamps.
Hospitäler wie das Panzi in Bukavu oder das Behandlungszentrum von HEAL Africa in Goma, Nord-Kivu, leisten in diesen Krisen Enormes – auch weil sie inzwischen ihren Einsatzradius in abgelegenere Dörfer ausgedehnt haben.

Über andreaboehm61

Ich bin Korrespondentin für den Nahen und Mittleren Osten für die Wochenzeitung "Die Zeit" und lebe in Beirut. Ich schreibe und blogge auch, aber nicht nur, über Krisen und Konflikte. Mich interessieren sichtbare und unsichtbare Routen und Grenzen, der Alltag von Menschen in Krisengebieten, die Krisen in ihrem Alltag und ihre Kunst des Überlebens. I am the correspondent for Middle Eastern Affairs for the German weekly "Die Zeit" based in Beirut, Lebanon. I write and blog about conflicts, crises and upheavals in the region. And about the art of survival, about visible and invisible routes and borders, about the daily life of people in regions of crisis and about the crises in their daily lives.
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