Everyday Middle East – Alltag im Mittleren Osten

Manche kennen vielleicht „Everyday Middle East“, den Instagram-Feed mit Photos aus dem Alltag in den Ländern des Mittleren Ostens. Meist wunderbare Bilder, die nichts beschönigen und trotzdem das Zerrbild der Region in den Medien auseinander nehmen.

In Anlehnung an „Everyday Middle East“ gibt es ab sofort auf diesem Blog die „Momentaufnahmen aus dem Mittleren Osten“. Ohne Kommentar, einfach nur zum Hinsehen.

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Beirut, Mohammed Al-Amin Moschee und Maronitische Kathedrale St. Georg ©Andrea Böhm

 

 

 

 

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Werbung in eigener Sache: das neue Buch

Es ist da ! Sagt man bei Geburten und Buchveröffentlichungen. In diesem Fall handelt es sich um letzteres. Mein neues Buch „Das Ende der westlichen Weltordnung – eine Erkundung auf vier Kontinenten“, schon vor längerem hier angekündigt, ist ab sofort im Handel erhältlich. Als E-Book oder Paperback zum anfassen und umblättern.

Das Ende der westlichen Weltordnung von Andrea Boehm

Und: nein, ich versuche nicht, die Welt zu erklären. Klappt eh nicht. Ich bin nur wieder viel herum gefahren, um genauer hinzusehen. Manchmal allein, manchmal mit phantastischen Reisebegleitern. Hin und wieder braucht man ja Hilfe, wenn einem das alte, westliche Koordinatensystem wegbricht.

Viel Spaß beim Lesen!
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Frauen am Steuer – jetzt auch in Saudi Arabien

Die aufmerksamen Beobachter der Region werden es mitbekommen haben: Der saudische König Salman hat das Fahrverbot für seine weiblichen Untertanen aufgehoben. Klingt bizarr, so etwas im Jahr 2017 als „Fortschritt“ zu bezeichnen. Aber das ist es nun einmal für all die saudischen Frauen, die darum gekämpft und Gefängnis riskiert haben.

Das folgende Video der saudischen Künstlerin Arwa Al Neami, aufgenommen vor einigen Jahren, könnte man für eine subversive Frauenfahrschule in Vorbereitung auf diesen Tag halten. Tatsächlich ist es Teil von Al Neamis wunderbarem Multi-Media-Projekt „Never Never Land“, in dessen Rahmen sie über Monate Frauen in saudischen Vergnügungsparks gefilmt und fotografiert hat. Solche Parks sind gespickt mit Verboten für Besucherinnen: Es ist zum Beispiel  untersagt, „den Schleier anzuheben“, „Hosen zu tragen“ oder „vor Freude zu juchzen“. Wie die Frauen damit umgehen ? Well …

Al Naemi gehört zu einer lebendigen KünstlerInnenszene in Dschidda, der im Vergleich zu Riad deutlich liberaleren Hafenstadt am Roten Meer. Dort trifft man auch Schauspieler und Aktivisten wie  Hisham Fageeh, der schon vor einigen Jahren in diesem Video seinen sarkastischen Kommentar zum Fahrverbot für Frauen und zur reaktionären religiösen Ideologie dahinter zum Besten gab:

Fageeh kennen manche vielleicht aus dem Spielfilm „Barakah Meets Barakah“, einer saudische Komödie über eine Liebesgeschichte in einem Land, in dem sich unverheiratete Männer und Frauen eigentlich gar nicht treffen, geschweige denn, miteinander ausgehen dürfen.
Der Film machte unter anderem auf der Berlinale 2016 Furore. In Saudi Arabien wurde er nie gezeigt. Wo auch – Kinos sind bislang verboten. Auch das soll sich demnächst ändern. Aber wie immer in diesem Land folgen auf zwei Schritte nach vorn mindestens anderthalb zurück. Derzeit ist gerade wieder eine Verhaftungswelle gegen Regime-Kritiker im Gang.

 

 

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Wo geht’s zum Paradies auf Erden? Ein Ausflug nach Rashaya

Wenn einer sagt, er habe das Paradies auf Erden gefunden, muss man das nicht glauben. Aber man kann ja mal hingehen und nachsehen. Im Libanon, auf dessen heutigem Gebiet sich alt-testamentarisch einiges abgespielt hat, schildern sie diesen Ort sogar aus…

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©Andrea Böhm

… was einen lehrt, seine Erwartungen im Zaum zu halten. Das gilt auch für das Dorf mit dem verheißungsvollen Namen Ehden im Libanon-Gebirge. In der Antike sollen sich hier Tempel zur Anbetung von Schnee-und Sonnengöttern befunden haben. Die sind längst zahlreichen Wellen der Zerstörung und Neubebauung zum Opfer gefallen. Heute ist Ehden ein Ausflugsort für zahlungskräftiges Publikum aus Beirut. Die Archäologen zukünftiger Generationen werden dort Reste von Ski-Liften, Bars, Hotels und Country Clubs ausgraben werden. Dass der Name tatsächlich vom biblischen Eden stammt, ist umstritten. Womöglich ist er vom aramäischen Adon hergeleitet, was „Fuß und Gipfel des Berges“ heißt.

Eigenwillige Hobbyforscher sind vor einigen Jahren auf einen anderen libanesischen Kandidaten für den Garten Eden gestoßen: Die Umgebung rund um das Bergdorf Rashaya an den westlichen Ausläufern des Hermon Bergmassivs.  Einfach mal „Eden“ und „Rashaya“ googlen – und eine Reihe ebenso leidenschaftlicher wie konfuser Theorien taucht auf.
Aber wie gesagt: Hinfahren und nachschauen kostet nichts.

Die Busfahrt von Beirut nach Rashaya verbringt man am besten schlafend. Sowohl die mit Bausünden gepflasterte Küste wie auch die zersiedelte Bekaa Ebene hinter dem Libanon-Gebirge sind eine Beleidigung für das Auge. Rohbauten, wilde Müllkippen, staubige Ladenzeilen, in denen es scheinbar alles an billigem Plastikkram made in China, Vietnam oder Malaysia zu kaufen gibt.

Dann geht es am Hermon-Massiv wieder hoch bis auf 1200 Meter. Plötzlich taucht ein erstaunlich aufgeräumtes Dorf auf. Die Hausdächer sind mit roten Ziegeln gedeckt, die Gärten blühen, der Bus ruckelt über Kopfsteinpflaster, in der Luft hängt der Geruch von wildem Thymian und Kaffee. Die Hauptstraße ist an diesem Tag Fußgängerzone, weil der  Rashaya-Festmarkt stattfindet. Noch versperrt ein Band den Zugang, weil sich der Minister aus Beirut, der ihn feierlich eröffnen soll, verspätet. Auf Politiker zu warten, kann in diesem Land den halben Tag kosten, also schlängeln wir uns unter wortreichen Entschuldigungen durch und schlagen uns an den Ständen den Bauch voll mit Manakish, Kostproben der lokalen Imker und Trauben, die uns Pfund weise und unter strikter Ablehnung einer Bezahlung überreicht werden. Männer in drusischer Tracht mit schwarzen Shirwal-Hosen und weißen Kappen scheuchen Hühner und Ziegen vorbei, während  Frauen Saft aus frischer Melasse einschenken. Das wirkt fast zu pittoresk und folkloristisch, wäre da nicht die Dorfjugend, die hinter der Marktzeile ihre getunten Autos aufheulen lässt. „Willkommen in Rashaya“ begrüßt uns alle paar Meter ein Händler. „Willkommen in der Bekaa-Ebene. Hier leben alle friedlich zusammen, Drusen, Christen, Schiiten und Sunniten.“
Im Moment jedenfalls.

Mehdi, Berg-und Touristenführer aus Rashaya, scheucht uns freundlich weiter, bevor der Minister samt Gefolge einfällt. Wir laufen steil bergauf zu den höher gelegenen Häusern, dann auf einem Bergrücken aus dem Dorf heraus. Der Blick geht ins Unendliche …

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….und mit Mehdis Hilfe sortieren wir uns in der Landschaft ein. Zehn Kilometer nach Osten und man stünde an der syrischen Grenze. Rund 30 Kilometer, ein Tagesmarsch, nach Nordosten und man käme im syrischen Zabadani an, einst beliebtes weil kühles Ausflugsziel der Damaszener im Sommer, im Bürgerkrieg von Assad-Gegnern übernommen, jahrelang vom Regime und der libanesischen Hisbollah belagert und nun wieder unter deren Kontrolle.

Solche Details übergeht Mehdi lieber, stattdessen erklärt er uns die Flora der Umgebung – Disteln, Kräuter, Beeren – fast alle als Heilmittel zu gebrauchen. Hinter der nächsten Anhöhe haben Imker Bienenstöcke aufgestellt, einen Hügel weiter finden wir Tunnel und Schießstände aus einem anderen Bürgerkrieg, dem libanesischen.

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©Andrea Böhm

Hier sei nicht viel passiert, sagt Mehdi. Rashaya habe eher als Zufluchtsgebiet für Christen und Drusen gedient – und überhaupt symbolisiere das Dorf die Einheit des Landes.

Ich habe ein Buch im Rucksack: „Lebanon through Writers‘ Eyes“, eine wunderbare Anthologie, die durch diese Region und ihre Epochen führt, angefangen mit der Chronik eines ägyptischen Beamten, der knapp 2000 Jahre vor Christus am Hof des Pharao in Ungnade fiel und sein Exil in der Bekaa-Ebene beschreibt, gefolgt von Reiseberichten arabischer und europäischer Autoren zu  Zeiten der Kreuzzüge bis zu Emily Nasrallahs bitter-poetischen Geschichten aus dem zerstörten Libanon knapp 2000 nach Christus.
Mittendrin auf Seite 217 die Aufzeichnungen eines verkrachten Offiziers des British Empire namens Charles Churchill , der sich Mitte des 19. Jahrhunderts im Libanon niedergelassen hatte und die Folgen einer Prügelei zwischen drusischen und maronitischen Jugendlichen in einem Dorf westlich von Rashaya beschreibt: Nach den Söhnen geraten auch die Väter aneinander, worauf die Familien beider Seiten mobilisiert werden, die ersten Schüsse fallen und die ersten Toten begraben werden.

„Alle, die das Temperament der rivalisierenden Konfessionen kannten und die Leidenschaft, mit der es in Wallung gebracht wurde“, schreibt Churchill, „sahen den Ausbruch des Bürgerkriegs (…) zwischen den beiden nur noch als Frage der Zeit.“

Selbst mit einer Maronitin verheiratet und auf das beste vertraut mit beiden Konfessionen, wusste Churchill natürlich, dass diese Schlägerei nicht die Ursache des folgenden Blutvergießens war, sondern ein Funke, der auf einen lange schwelenden Konflikt fiel. Es ging, wie so oft, zunächst nicht um Religion, sondern um Ausbeutung und Ungleichheit. Mitte des 19. Jahrhunderts erhoben sich maronitische Bauern gegen die Zwangssteuern ihrer Feudalherren, darunter viele Drusen. Die begannen aus Angst vor einer Revolution, Milizen zu bewaffnen. Nun wurde der Konflikt religiös eingefärbt: Christen gegen Muslime (die Drusen gehen aus einer Abspaltung vom Schiitentum im 11. Jahrhundert hervor). Im Juni 1860 griff der Krieg auf Rashaya über, wo drusische Milizen über 1000 Christen ermordeten. Die Gewalt dehnte sich ins heutige Syrien aus. In Damaskus kam es zu anti-christlichen Pogromen. Die Truppen des damals  herrschenden Osmanischen Reiches sahen zu – oder halfen mit.

Durch Europa ging ein Aufschrei. Auf massiven Druck erlaubte Konstantinopel die Entsendung europäischer Truppen zum Schutz der Christen in der Region. Die erste humanitäre Intervention, sagen heute manche Historiker – auch wenn es keineswegs nur ums Humanitäre, sondern auch um Geostrategie ging. Wiederum auf Druck der Europäer trennte das Osmanische Reich das Gebiet um das Libanon-Gebirges von seiner syrischen Provinz ab, ernannte einen christlichen Gouverneur und stellte ihm einen Rat mit vier Maroniten, drei Drusen, drei Griechisch-Orthodoxen, einem Sunni und einem Shia bei. So entstand in seinen Grundzügen der spätere Libanon samt seines konfessionell justierten System der Machtteilung.

Am Ende der Wanderung führt uns Mehdi zurück nach Rashaya in die Zitadelle, heute ein Wallfahrtsort für Libanesen, weil die französische Mandatsmacht 1943 hier Führer der libanesischen Unabhängigkeitsbewegung inhaftierte. Nach Massenprotesten kamen die Männer am 22. November frei, was das Ende der französischen Herrschaft bedeutete. Die Freiheitshelden besiegelten damals einen Nationalen Pakt, in dem die Christen den Status des Libanon als arabische Nation anerkannten, die Muslime auf eine Vereinigung mit Syrien verzichteten, und die politischen Posten konfessionell neu aufgeteilt wurden: Das Präsidentenamt den Christen, der Sessel des Premierministers den Sunniten, der des Parlamentssprechers den Schiiten. Das Modell erwies sich bekanntlich nicht als Garant für Frieden und Stabilität. Einige der Freiheitshelden von damals, allen voran die christlichen, mutierten im Bürgerkrieg der siebziger und achtziger Jahre zu Führern brutaler Milizen.
Rashaya blieb tatsächlich halbwegs verschont. Aber Drusen und Christen aus dem Dorf schlossen sich der „Südlibanesischen Armee“ (SLA) an, einer von Israel finanzierten und bewaffneten Söldnertruppe, die während der israelischen Okkupation des Südlibanons ein berüchtigtes Gefängnis betrieb, worüber man heute in Rashaya nicht gern redet.
Nicht, dass einem irgendetwas davon bei diesem Ausblick von der Zitadelle durch den Kopf gehen würde.

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©Andrea Böhm

Vielleicht sollte man die libanesische Geschichte auf solchen Wanderungen gleich zu Hause lassen. Oder nur die schönen Episoden einpacken.
Wir sind bei Mehdis Haus angekommen, seine Familie hat Tabbouleh, Fattoush, Hindbeh Bilzeyt (gekochter Löwenzahn mit Knoblauch, Olivenöl und Zitrone) und Kibbeh (Bällchen aus Bulgur, Zwiebeln und Fleisch) zubereitet. „Alles aus organischem Anbau“, sagt Mehdi, dem in Rashaya eine Ära des Öko-Tourismus vorschwebt. Ich lade meinen Teller voll, verkneife mir eine belehrende Bemerkung über die Unmengen an Plastik-Geschirr und suche nach einer friedlichen Passage in meiner Anthologie. Seite 32, ein Auszug aus dem Alten Testament, das Hohelied Salomos, auf hebräisch Schir ha-Schirim, „das Lied der Lieder“.

„Deine Lippen, meine Braut, sind wie triefender Honigseim; Honig und Milch ist unter deiner Zunge, und deiner Kleider Geruch ist wie der Geruch des Libanon.
Meine Schwester, liebe Braut, du bist ein verschlossener Garten, eine verschlossene Quelle, ein versiegelter Born.
Deine Gewächse sind wie ein Lustgarten von Granatäpfeln mit edlen Früchten, Zyperblumen mit Narden (…)

Ein Gartenbrunnen bist du, ein Born lebendiger Wasser, die vom Libanon fließen.“

Mehdi fragt, was ich da lese. Was über regionale Küche, sage ich, packe das Buch weg und fange an, zu essen.

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Einmal zurück ins Grand Hotel d’Orient – eine kleine Geschichte des Tourismus in Beirut

Kleine Fluchten aus der Beiruter Hitze. Nicht ans Meer – das ist zu verdreckt. Sondern ins klimatisierte Sursock-Museum. Manchmal reicht es, sich beim Abendspaziergang mit einem langen Blick auf die Fassade  abzukühlen. Und bei aller gebotenen Distanz zu reichen Aristokraten-Familien seinem Erbauer Nicolas Sursock, Sprössling einer solchen, still dafür zu danken, dass er seine Villa der Stadt als Museum vermacht hat.

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©Andrea Böhm

Immer wieder muss man jedoch hineingehen – und sei es nur, um von innen einen Blick durch eines der Buntglasfenster nach draußen zu werfen.

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©Andrea Böhm

Und schon wähnt man sich als Reisende in die 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts versetzt, in der Hand einen Gin Tonic mit Eis, auf dem Marmor-Tisch des  Hotel-Balkons das Billet der Schiffspassage von Jaffa oder Marseille und Baedeker’s Führer für „Palästina und Syrien“.

„Visitez Beyrouth! Visit Beirut!“ heißt der Titel einer kleinen Ausstellung im Sursock, bestehend aus nichts weiter als alten Reiseführern und Postkarten. Was völlig reicht, um im Geiste durch die Lobby des „Grand Hotel d’Orient“ zu schlendern, im „Les Guides Bleus“ von 1932 angepriesen für seinen Meerblick, die 35 Zimmer und eine „fundierte Reputation“.
Man reiste damals mit dem Schiff an, ließ sich im Ruder-oder Motorboot von Deck abholen und zum Hotel bringen. Wenn nicht ins „Orient“, dann ins „Royale“, ins „Metropole“, ins  „Hotel d’Europe“, erbaut 1849, wo schon Gustave Flaubert übernachtet hatte. Oder ins Hotel „Deutscher Hof“, auf dessen Gästeliste Karl May stand.

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Die beste Reisezeit, heißt es in „Cook’s Traveller’s Handbook to Palestine, Syria & Iraq“ von 1934, seien die Monate März bis Ende Mai. „Eine Reise flussaufwärts auf dem Nil lässt sich bequem mit einem Besuch im Heiligen Land verbinden.“ Und mit einer komfortablen Verschnaufpause in Beirut bevor es mit dem Zug weiterging nach Istanbul, Damaskus oder Bagdad. Wobei die Leser des Baedeker’s ausdrücklich vor  türkischen Zensur-Behörden gewarnt wurden, deren „exzessiver Eifer“ sich manchmal auch auf Reiseführer erstrecke, weshalb diese in der Türkei am besten tief in der Jackentasche zu verstauen seien.

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Das mit dem Wetter stimmt immer noch, das mit der türkischen Zensur stimmt wieder. Aber heute unternimmt keiner mehr mal eben eine Vergnügungsreise vom Nil bis nach Syrien. Oder bis in den Irak wie jener Amerikaner oder Brite, der seiner Frau im April 1956 Grüße aus dem Libanon schickte. „Darling, bin heute kurz nach Mittag in Beirut angekommen. Übernachte im Normandy, was eine Erholung ist nach dem Ceyhan Palace in Ankara … Morgen weiter nach Bagdad. Mit Liebe und Hingabe, John“

Das „Normandy“ stand wie das „Orient“ und andere Hotels  für das gehobene Publikum auf der Avenue des Français, der Promenade am Meer, was die Beirutis in den 20er Jahren veranlasste, ihre Stadt mit Nizza zu vergleichen.
Hier sehe es überhaupt nicht aus wie der Orient, von dem er in Romanen gelesen habe, beschwerte sich denn auch ein gewisser Monsieur Joseph in einer Weihnachtskarte 1926 aus Beirut an eine von ihm verehrte namenlose „Madame“. „Die Häuser – alle europäisch.“ Damit hatte der Mann auf wenigen Zeilen die Essenz der Stadt erfasst. Beirut tut bis heute so, als sei es bei der Geburt vertauscht worden und gehöre eigentlich auf die andere Seite des Mittelmeeres.

Das „Normandy“ und den „Deutschen Hof“ gibt es nicht mehr. Das „Orient“ auch nicht. Es wurde 1967 abgerissen, um Platz für das Hilton und andere moderne Bettenburgen zu schaffen. Die meisten dieser Neubauten dienten im Bürgerkrieg als Stützpunkte für Milizen während der „Schlacht der Hotels“. Die Luxus-Suiten mit Meerblick in den oberen Etagen waren bei Scharfschützen sehr beliebt.

Die Trümmer sind hier längst beseitigt, die Ruinen durch neue Luxusbauten samt Yacht-Hafen ersetzt. Nur die zerschossene Ruine des Holiday Inn ragt noch wie ein störrischer, geschwärzter Zeigefinger in den Himmel. Es ist jetzt eine der Hauptattraktionen bei Stadtführungen.
Visitez Beyrouth! Visit Beirut! Besuchen Sie Beirut!

 

 

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Jeder Tag eine Schaufel Erde auf das eigene Leben – seit vier Jahren ist der ägyptische Journalist Shawkan in Haft

Es gibt Jahrestage, an denen man nur schreien möchte. Am 14. August wird der ägyptische Photo-Journalist Mahmud Abu Zaid, bekannt unter seinem Künstlernamen Shawkan, vier Jahre in Haft sitzen. In Untersuchungshaft wohlgemerkt. Shawkan war bereits mehrmals Thema dieses Blogs – immer in der Hoffnung, dass der nächste Eintrag von seiner Freilassung handeln würde.

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Ägyptens Behörden werfen dem inzwischen 30 jährigen „Vandalismus“, „Waffenbesitz“, „Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“ (nämlich der Muslimbrüder)  und „Mord“ vor – angeblich begangen am 14. August 2013. An diesem Tag  richteten Sicherheitskräfte am Kairoer Rabaa-Adawiya-Platz ein Massaker unter Anhängern des gestürzten Präsidenten Mohamed Mursi an. Mindestens 1000 Menschen wurden erschossen. „Ägyptens Tiananmen“ nennt Human Rights Watch dieses Blutbad.

Shawkan war nachweislich im Auftrag einer Foto-Agentur vor Ort und wurde zusammen mit zwei ausländischen Reporters verhaftet. Die beiden Kollegen kamen wenig später  frei, Shawkan sitzt seither im  berüchtigten Tora-Gefängnis in Kairo. Seine Kamera samt Speicherkarten wurden konfisziert und sind verschwunden. Gericht und Staatsanwaltschaft machen sich nicht einmal die Mühe, gefälschte Beweise für ihre Vorwürfe zu präsentieren. Sie präsentieren gar nichts. Verhandlungstermine dienen allein dazu, Shawkans U-Haft zu verlängern. So auch an diesem 5. August 2017. Die Verhandlung wurde wieder vertagt.

Ich habe das kafkaeske Schauspiel der ägyptischen Justiz selbst einmal beobachtet: 2014 im Kairoer Prozess gegen drei Journalisten von Al Dschasira – den Australier Peter Greste, den Kanadier Mohamed Fahmy und den Ägypter Baher Mohammed. Die Anklage lautete auf „Verbreitung falscher Nachrichten zur Destabilisierung des Landes“ und „Unterstützung einer terroristischen Vereinigung“. Gemeint war die Muslim-Bruderschaft.
Als Beweismaterial legten die Ankläger Fernseh-Beiträge von Greste aus Ostafrika, Preis gekrönte Berichte von Fahmy über die Revolution in Libyen und Tierfilme vor. Man konnte das komisch finden, ich fand es auf eisige Weise beängstigend. Egal, ob die Gerichtsbehörden in ihrer Paranoia jeden Bezug zur Realität verloren hatten oder sich schlicht einen Dreck um sie scherten – die grenzenlose Absurdität des Verfahrens demonstrierte eine Allmacht, die jeden im Saal schockierte.

Greste wurde schließlich in eine bizarren Aktion nach Australien abgeschoben, aber trotzdem rechtskräftig verurteilt. Fahmy kam Monate später auf Vermittlung der kanadischen Botschaft aus dem Gefängnis, nachdem man ihm seine ägyptische Staatsbürgerschaft abgenommen hatte. Baher Mohammed ist mittlerweile ebenfalls frei und arbeitet in der Hauptredaktion von Al Dschasira in Doha.

Shawkan ist im Vergleich dazu ein kleiner Fisch. Aber einer, an dem die Justiz offenbar demonstrieren möchte, wie sie mit der Aufbruchstimmung unter Journalisten zu verfahren gedenkt, die sich in jenen Januartagen 2011 bei den Protesten auf dem Tahrir-Platz gegen die Diktatur des Hosni Mubarak Bahn brach. Richter und Staatsanwälte wollen sie nicht eindämmen. Sie wollen sie zermalmen und begraben.

Genau so muss es sich anfühlen für Shawkan: Jeder Tag im Tora-Gefängnis ist eine Schaufel Erde auf das eigene Leben. Inzwischen sind es über 1400. Im schlimmsten Fall droht ihm die Todesstrafe, im besten Fall wird er irgendwann frei gesprochen und als kranker Mann entlassen. Er leidet an Hepatitis C, Anämie und Depressionen und erhält nur unzureichende medizinische Versorgung.  Dass er bei den Gerichtsterminen, die er aus einem Käfig verfolgen muss, trotzdem noch die Finger zum V-Zeichen erhebt, dass er seinem Bruder bei Besuchen Briefe an seine Unterstützer diktiert, dass er auch nach vier Jahren nicht gebrochen ist, erscheint wie ein Wunder. „Kämpft für die Fotografie. Wir sind jene, die Geschichte gemacht haben, nicht die Historiker, unsere Fotos haben den Moment festgehalten“, ließ er seinen Bruder unlängst aufschreiben. „Ich bitte euch alle: Hört nicht auf zu fotografieren – für mich.“

Was kann man außerdem tun? Dazu beitragen, dass Mahmud Abu Zaid, alias Shawkan, nicht vergessen wird. Unterstützer haben die Facebook-Seite „Freedom for Shawkan“ eingerichtet. Auf Twitter kann man aktuelle Entwicklungen unter dem Hashtag #freeshawkan verfolgen. Die Petition von Amnesty International kann man hier unterzeichnen.
All diese Aktionen dringen zu ihm durch. Sein Bruder berichtet ihm davon.
Für den 12. August ist der nächste Verhandlungstermin angesetzt. Zwei Tage später beginnt Shawkans fünftes Jahr in Untersuchungshaft.

Es sei denn, das nächste Wunder geschieht.

 

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Baalbek – ein Ausflug zu römischen Göttern, schiitischen Milizen und Jazz

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©Andrea Böhm

Es gibt Orte im Libanon, die man gesehen haben muss. Baalbek gehört dazu. 
Ich mag den Namen dieser Stadt, schon sein Klang verspricht eine Tür zur Vergangenheit, wenn einem die Gegenwart zu viel wird. 
Und Baalbek hält sein Versprechen – auch wenn die Gegenwart sich nie aussperren lässt.

Colonia Heliopolis hieß die Stadt, als die Römer hier eine der größten Tempel-Anlagen ihres Imperiums errichteten. Geblieben ist eine der schönsten Ruinen-Landschaften überhaupt – eine steinerne Collage der Epochen. Über die erheben sich sechs Säulen eines Jupiter-Tempels, dreißig Meter hoch. Einige Schritte weiter befindet sich ein in weiten Teilen erhaltener Bacchus-Tempel, eine Opferstätte und die Reste eines Venus-Tempels.
Auf die Römer folgten die Umayyaden, die auf dem Forum der Tempel-Anlage eine Moschee bauten. Die Byzantiner verwandelten den Venus-Tempel in eine Kirche. Mongolen, Seldschuken, Mamluken, Osmanen hinterließen Spuren. Eine Gedenktafel im Bacchus-Tempel von „Sultan Abd ul-Hamid II, Kaiser der Ottomanen Seinem erlauchten Freund Wilhelm II.“ erinnert an den Besuch des deutschen Kaisers im Jahr 1898.
Dann kam Ella, „the Queen of Jazz“. Und Miles, der „Gott der leisen Töne“.

Vor zwei Wochen habe ich es auch endlich geschafft. Ich blätterte 60 Dollar für eine Konzertkarte des jährlichen Musik-Festival hin, setzte mich mit drei Freunden in Beirut ins Auto und fuhr zu den Ruinen. Vor dem Bacchus-Tempel spielte Ibrahim Maalouf. Mitte der 50er Jahre – eine Zeitangabe, bei der ältere Libanesen melancholisch seufzen – hatte der damals noch halbwegs funktionierende Staat beschlossen, die antike Stätte als Theater-und Konzert-Bühne zu nutzen. Für so manchen Archäologen eine entsetzliche Vorstellung. Aber man muss die Säulen des Jupiter nur einmal bei Tageslicht gesehen haben …

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©Andrea Böhm

…um zu ahnen, welche Kulisse sie bei Nacht bieten. In den ersten Jahren des Festivals traten vor allem die großen arabischen Stars auf. Umm Kulthum, die Grand Dame der arabischen Musik, Ägyptens Antwort auf die Greco und die Callas. Fairouz, Libanons musikalische Ikone. Warda al-Jazairia, „die algerische Rose“. Künstlerinnen, die von Rabat bis Bagdad Säle füllten. Die meisten stiegen im damals mondänen Palmyra-Hotel gegenüber der Ruinen ab, wo die Kellner Champagner servierten, ausländische Botschaften zu Cocktail-Partys einluden und die Rezeptionisten jede Marotte der Diven berücksichtigen.

Der Name Baalbek sprach sich bald in London, Paris und und New York herum. Ella Fitzgerald trat 1971 als einer der ersten Weltstars vor dem Bacchus-Tempel auf. Zwei Jahre später spielte Miles Davis in den Ruinen, 1974 Charles Mingus. Ich habe die Konzertplakate in meinem Beiruter Wohnzimmer aufgehängt.  Auch das von Miriam Makeba – ein Bild, das zum Niederknien schön ist. Meine ganz persönliche Heiligen-Galerie.

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Nur hat die Makeba nie in Baalbek gesungen. Die Plakate für ihr Konzert am 16. Juli 1975 waren schon gedruckt, da begann am 13. April der Bürgerkrieg.
Im Palmyra bezog nun das Internationale Rote Kreuz Quartier. Die Organisatoren des Festivals verbarrikadierten sich in ihren Wohnungen und trafen sich in Feuerpausen, um sich gegenseitig zu vergewissern, dass sie noch am Leben waren. Um die Tempel-Ruinen machten Bomben, Granaten und Kugeln auf wundersame Weise einen Bogen. Meistens jedenfalls. Um den Rest des Landes nicht.  Nach 15 Jahren Krieg mit über 120.000 Toten war der Libanon zerstört. Nicht nur physisch. Bürgerkriege, in denen einem der Nachbar, mit dem man gestern noch Kaffee getrunken hat,  das Gewehr an den Kopf hält, hinterlassen tiefere seelische Wunden als Kriege zwischen Staaten. Die Spanier merken das noch heute. Die Bosnier wissen es. Die Algerier. Die Libanesen. Und jetzt auch die Syrer.

Natürlich geht es danach immer irgendwie weiter. Es wird zugeschüttet und neu aufgebaut, verdrängt und erinnert, es wird Frieden beschworen und aufgerüstet für das nächste Mal. Die Zeit heilt nicht, aber sie verdeckt die Narben. Bis etwas geschieht, das für einen Moment alles wieder offenlegt und den Wahnsinn der Zerstörung gewahr werden lässt. Ein Abschütteln der Betäubung. Meistens steckt die Kunst dahinter.
Das Baalbek-Festival eröffnete erstmals wieder im Juli 1997 mit Mstislav Rostropovich. Der russische Cellist hatte den Libanesen über 20 Jahre zuvor ein Konzert versprochen hatte, wenn der Krieg zu Ende sei. Ein Jahr später, 1998, trat Nina Simone auf. Baalbek was back!
Aber eben nicht wie früher.

Das Konzert von Ibrahim Maalouf ist ausverkauft. Als „virtuosen Künstler“ und „kühnen Komponisten“ hat ihn zuletzt das Montreux Jazz Festival vorgestellt. Für die Libanesen ist er der sprichwörtliche verlorene Sohn, der draußen in der Welt berühmt geworden ist. Maalouf ist ein Kind des Krieges, geboren 1980 in Beirut, als syrische Panzer durch das Land rollten, israelische Kampfflugzeuge PLO-Stellungen in Beirut bombardierten und die einheimischen warlords Massaker an Massaker reihten. Bei den Maaloufs spielten sie weiter Musik, die Mutter war Pianistin, der Vater Trompeter. Bis es nicht mehr ging. Die Familie floh nach Paris ins Exil. Ibrahim lernte Trompete –  als Kind das ganze klassische Repertoire, Improvisation und arabische maqams beim Papa, dann am Pariser Konservatorium. Jetzt ist der Mann gerade einmal 36, hat fast ein Dutzend Alben mit einer einmaligen Fusion von Jazz, Funk, arabischer Musik, Oriental Rock und Pop herausgebracht, hat mit Dave Douglas, Cheikh Lo, Sting, Amadou & Mariam gespielt.

An diesem Samstag ist er endlich in Baalbek. Wir trinken zur Einstimmung ein Bier im Garten des Palmyra-Hotels. In der Lobby hängen Fotos der prominenten Gäste vergangener Zeiten. Ella. Nina Simone. Charles de Gaulle. Jeanne Moreau. Libanons Präsident Camille Chamoun, der das Festival begründet hat und später den Bürgerkrieg mit anheizte. Daneben Zeichnungen von Jean Cocteau, der hier übernachtete.
Auf der Straße zwischen Tempel-Anlage und Hotel-Eingang sind gepanzerte Fahrzeuge der Armee aufgefahren, Soldaten und Polizisten stehen an jeder Ecke.
Nach Römern, Umayyaden, Byzantinern, Seldschuken, Osmanen und Franzosen hat jetzt die schiitische Hisbollah in Baalbek das Sagen – und damit auch ihre Schutzmacht Iran. Im Kurz-Krieg zwischen Israel und der Hisbollah 2006 hat Baalbek deswegen ziemlich gelitten. Kaum 200 Meter neben dem Eingang zum Bacchus-Tempel glänzt, mit iranischen Geldern restauriert, die goldene Kuppel des Schreins der Sayyida Khawla, Ur-Enkelin des Propheten Mohammed, Tochter des Imam Hussein, einer der wichtigsten Figuren der Schiiten. Ein teurer Kraftakt zur Verewigung von Religion und Macht. Schön und prächtig anzusehen. Aber im Schatten der bröckelnden Jupiter-Säulen wirkt all der Glanz doch vergeblich und vergänglich.

In Baalbeks Straßen hängen die Bilder von Hisbollah- Kämpfern, die auf Seiten des Assad-Regimes in Syrien gefallen sind – und die jetzt auf libanesischem Territorium sterben. Die Sicherheit von Großveranstaltungen wie dem Festival überlässt die Hisbollah der Armee, militärische Operationen übernimmt sie selbst. Seit einigen Tagen führt die Miliz eine Offensive gegen Trupps des „Islamischen Staates“ und Al-Kaida, die im Laufe des Krieges in Syrien über die Grenze in den Libanon eingesickert sind. Nicht weit von Baalbek. Am Nachmittag, während auf der Bühne vor dem Bacchus-Tempel letzte Soundchecks durchgeführt wurden, marschierte ein martialischer Trauerzug mit den Särgen getöteter Hisbollah-Kämpfer durch die Straßen.
Leben und Alltag auf engstem schizophrenen Raum. Eine besondere libanesische Fähigkeit. Ich beherrsche sie mittlerweile auch, nehme die Panzerfahrzeuge und Hisbollah-Fahnen kaum mehr wahr. Als die Scheinwerfer vor dem Bacchus-Tempel angehen, bin ich hypnotisiert von der Kulisse.

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©Andrea Böhm

Maalouf ist aufgeregt, man merkt es bis in die hinteren Reihen. Nicht nur, weil jeder Künstler vor einem Live-Konzert nervös ist, sondern weil er das ganze Land umarmen und gleich noch seine musikalische Biographie erzählen möchte. Es geht etwas hektisch zu auf der Bühne, hinter ihm steht seine Band, dahinter ein kleines Orchester, das für ein paar Nummern auf- und dann wieder abtritt. Ein Kinderchor bekommt fünf Minuten auf der Bühne, eine Gruppe libanesischer Hobby-Musiker, ein Geiger aus Baalbek und am Ende ein Ensemble von Dabke-Tänzern, deren Bewegungen die Scheinwerfer wie ein Schattentheater an die antiken Mauern projizieren. ‚Spiel doch einfach nur Trompete‘ denke ich mir zwischendurch.
„Kalthoum“ ist mein Lieblingsalbum von Maalouf, eine Widmung an Um Kulthum und alle Frauen, die die Welt verändert haben, bestehend aus Improvisationen auf ihren Klassiker „Alf Leila Wa Leila“, „Tausend und eine Nacht“. Nur Trompete, Tenor-Saxophon, Bass, Piano und Schlagzeug.
Zwischendurch tut er genau das: spielt Soli, lässt sich zurückfallen in den Sound seiner Band, taucht wieder auf. So entsteht der Zauber einer Nacht. Und hält an auf der Rückfahrt nach Beirut und über den nächsten Morgen …

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©Andrea Böhm

…bis zum folgenden Wochenende. Dann holt der ganz normale nahöstliche Wahnwitz auch das Festival wieder ein. „Trio Wanderer“, drei klassische Musiker aus Frankreich, sind für das Konzert am folgenden Wochenende angekündigt. Sie sagen kurzfristig ab. Die „Kampagne zum Boykott von Unterstützern Israels im Libanon“ hat sie aufgefordert, nicht auf die Bühne zu gehen, weil sie vor einem Jahr eine Vorstellung im israelischen Eilat gegeben haben. Damit habe das Trio „die Märtyrer des Libanon und Baalbeks beleidigt“. Offiziell wird die Absage mit „persönlichen Ursachen“ begründet. Der Pianist des Trios sei krank geworden.
Kein Wunder. Es ist ja auch zum Kotzen.

 

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