Reise in den Jemen – ein Tagebuch

Nicht zuletzt dank des Schutzes durch diese Herren….

Hadramaut, Jemen November 2

….konnte ich Anfang November mit mehreren Kollegen in den Jemen reisen. Das Tagebuch dieser Reise wurde nun hier auf ZEIT Online veröffentlicht.

Die Reportage aus der Print-Ausgabe der ZEIT (Nr. 46/2017) ist hier zu finden.

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Momentaufnahmen aus dem Mittleren Osten (3)

Unsere Leibwächter

Jemen, Hadramaut, November 2017 ©Andrea Böhm

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Momentaufnahmen aus dem Mittleren Osten (2)

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Skulptur in einer Galerie in Doha, Katar ©Andrea Böhm

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#WeAreMogadishu – oder doch nicht? Über Hautfarbe und globale Empörung

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Frauen in Mogadischu ©Andrea Böhm

Bei dem Namen Mogadischu denke ich nicht an Bombenanschläge. Sondern an Mahdi und Doktor Lul. Mahdi heißt eigentlich Muhamud Ali Diriye, verheiratet ist er mit Lul Mohamed Muhamud, einer Kinderärztin. Mahdi hat mir vor einigen Jahren Mogadischu, seine Stadt, gezeigt, Doktor Lul das Krankenhaus, in dem sie arbeitete. Das war Ende 2011, Mogadischu war voller Vertriebener und Rückkehrer.

Die einen waren vor Dürre, Krieg und Hunger in die somalische Hauptstadt geflohen, die anderen hofften auf einen Neubeginn. Truppen der Afrikanischen Union hatten gerade erst die islamistische Miliz Al Shabaab aus Mogadischu vertrieben, welche die Hauptstadt jahrelang kontrolliert hatte.
Die Nachricht allein reichte, damit sich Somalis aus der Diaspora auf den Weg nach Hause machten und einen kleinen Bauboom auslösten. Die Stadt war eine Mischung aus Flüchtlingslager, Immobilienblase und Terrorziel. Denn Al Shabaab rächte sich nun für seine militärische Niederlage mit Selbstmordanschlägen und Autobomben.

Daran hat sich bis heute wenig geändert. Wenn ich also von Bombenanschlägen in Mogadischu höre, schreibe ich Mahdi und Doktor Lul eine Mail und hoffe auf die Antwort, dass ihnen und ihrer Familie nichts passiert ist. Nach dem verheerenden Anschlag vom vorvergangenen Samstag, mutmaßlich ausgeführt von Al Shabaab, frage ich mich auch, warum das Brandenburger Tor nicht in den Farben der somalischen Nationalfahne angestrahlt wurde.

Klingt absurd?

Der Berliner Senat hat in den vergangenen Jahren mehrfach das Brandenburger Tor in den Farben der Nationalfahnen Frankreichs, Großbritanniens, Israels, Belgiens oder der Türkei beleuchten lassen. Anlass war jedes Mal ein islamistischer Terroranschlag, die Aktion des Senats eine Geste der Solidarität mit den Opfern, ihren Angehörigen und den betroffenen Staaten.
Berlin trauerte auf diese Weise um vier Israelis, getötet durch einen Attentäter Anfang Januar diesen Jahres in Jerusalem; um die über 30 Opfer eines Todesschützen in einem Istanbuler Nachtclub in der letzten Neujahrsnacht, um die 130 Todesopfer mehrerer IS-Attentäter im November 2015 in Paris, um die über 30 Todesopfer von Brüssel im März 2016 und die acht Opfer eines  IS-Anschlags von London im Juni diesen Jahres.

Nicht aber um die über 350 Toten vom 14. Oktober in Mogadischu. Es gab auch keine internationale Kampagne in den sozialen Medien, keine weltweit und massenhaft in Trauer geschwärzten Profilbilder auf Facebook. Der Hashtag #IAmMogadishu“  erhielt nur einen Bruchteil der Aufmerksamkeit im Vergleich zu #JeSuisCharlie nach dem Anschlag auf das französischer Satire-Magazin „Charlie Hebdo“ im Januar 2015.

Man beschränke solche Gesten auf Partnerstädte, sagt der Senat zur Frage der Solidaritätsbeleuchtung des Brandenburger Tors. Was nicht stimmt. Nach dem Amoklauf eines Islamisten in einem Schwulenclub in Orlando, das keine Partnerstadt ist, erstrahlte das Tor in den Farben des Regenbogens, dem Symbol der LGBT-Bewegung.

Man könne nicht nach jedem Terror-Anschlag das Berliner Wahrzeichen zum Mahnmal umfunktionieren, sagen viele. Was stimmt. Und trotzdem verlogen ist.

Mir ist klar, dass Aufmerksamkeit eine begrenzte Ressource ist, dass die permanente Aufnahme von Katastrophenmeldungen irgendwann abstumpft und das Brandenburger Tor nicht nach jeder Menschenrechtsverletzung auf dieser Welt in Solidarität mit den Opfern erstrahlen kann.
Aber hier geht es um ein globales Narrativ vom „Krieg gegen den Terror“, das immer mehr zu einem hochgiftigen „us versus them“ verrührt wird: zu einem „wir“ (meist gleich bedeutend mit dem Westen, der judeo-christlichen Kultur) gegen „die anderen“ (wahlweise gleich bedeutend mit der arabischen Welt, dem Islam, den Muslimen).

Dass die große Mehrheit der Opfer des islamistischen Terrors arabische, afrikanische und asiatische Muslime sind und eben nicht nicht westliche, weiße Christen und Juden, passt nicht in dieses Narrativ. Wir blenden diese Tatsache aus. Denn sonst müssten wir uns mit der Geschichte dieser Gesellschaften und Länder auseinandersetzen; mit den Wechselwirkungen zwischen staatlicher Gewalt und Terrorismus; mit solch feinen Details wie dem Unterschied zwischen Sunniten und Schiiten oder dem inner-islamischen Konflikt zwischen Fundamentalismus und Liberalität. Und mit unserer eigenen Lebenslüge vom Kampf für „westliche Werte“ im war on terror, in dem getötete Westler betrauernswert sind und getötete Somalis, Iraker oder Afghanen als Kollateralschaden abgehakt werden. Egal, ob sie durch den IS, Al Kaida, Al Shabaab oder durch amerikanische Drohnen sterben.

In Bagdad, Kabul oder Mogadischu erwartet ja niemand, dass die Welt nach jeder Autobombe eine globale Schweigeminute einlegt. Aber nur einmal eine internationale Geste der Solidarität von New York bis Berlin, eine globale Twitter-Kampagne oder eben ein Abend, an dem das Brandenburger Tor für Terror-Opfer in einem arabischen oder afrikanischen Land leuchtet – und die Werthierarchie von menschlichem Leben wäre, nein, nicht aufgehoben, aber zumindest für einen Moment in Frage gestellt.

Mahdi hat sich übrigens gestern per Mail gemeldet. Ihm, Doktor Lul und ihren Kindern ist nichts passiert, aber „Verwandte und Freunde von uns wurden getötet oder verwundet.“ Der Hass auf die Terroristen, schreibt er, sei nun größer als die Angst vor deren Bomben. Abertausende Somalis demonstrieren seither in den Straßen von Mogadischu gegen Al Shabaab und die Unfähigkeit ihrer eigenen Regierung, die eigene Bevölkerung zu schützen. Die BBC hat es gefilmt. Immerhin.

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Everyday Middle East – Alltag im Mittleren Osten

Manche kennen vielleicht „Everyday Middle East“, den Instagram-Feed mit Photos aus dem Alltag in den Ländern des Mittleren Ostens. Meist wunderbare Bilder, die nichts beschönigen und trotzdem das Zerrbild der Region in den Medien auseinander nehmen.

In Anlehnung an „Everyday Middle East“ gibt es ab sofort auf diesem Blog die „Momentaufnahmen aus dem Mittleren Osten“. Ohne Kommentar, einfach nur zum Hinsehen.

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Beirut, Mohammed Al-Amin Moschee und Maronitische Kathedrale St. Georg ©Andrea Böhm

 

 

 

 

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Werbung in eigener Sache: das neue Buch

Es ist da ! Sagt man bei Geburten und Buchveröffentlichungen. In diesem Fall handelt es sich um letzteres. Mein neues Buch „Das Ende der westlichen Weltordnung – eine Erkundung auf vier Kontinenten“, schon vor längerem hier angekündigt, ist ab sofort im Handel erhältlich. Als E-Book oder Paperback zum anfassen und umblättern.

Das Ende der westlichen Weltordnung von Andrea Boehm

Und: nein, ich versuche nicht, die Welt zu erklären. Klappt eh nicht. Ich bin nur wieder viel herum gefahren, um genauer hinzusehen. Manchmal allein, manchmal mit phantastischen Reisebegleitern. Hin und wieder braucht man ja Hilfe, wenn einem das alte, westliche Koordinatensystem wegbricht.

Viel Spaß beim Lesen!
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Frauen am Steuer – jetzt auch in Saudi Arabien

Die aufmerksamen Beobachter der Region werden es mitbekommen haben: Der saudische König Salman hat das Fahrverbot für seine weiblichen Untertanen aufgehoben. Klingt bizarr, so etwas im Jahr 2017 als „Fortschritt“ zu bezeichnen. Aber das ist es nun einmal für all die saudischen Frauen, die darum gekämpft und Gefängnis riskiert haben.

Das folgende Video der saudischen Künstlerin Arwa Al Neami, aufgenommen vor einigen Jahren, könnte man für eine subversive Frauenfahrschule in Vorbereitung auf diesen Tag halten. Tatsächlich ist es Teil von Al Neamis wunderbarem Multi-Media-Projekt „Never Never Land“, in dessen Rahmen sie über Monate Frauen in saudischen Vergnügungsparks gefilmt und fotografiert hat. Solche Parks sind gespickt mit Verboten für Besucherinnen: Es ist zum Beispiel  untersagt, „den Schleier anzuheben“, „Hosen zu tragen“ oder „vor Freude zu juchzen“. Wie die Frauen damit umgehen ? Well …

Al Naemi gehört zu einer lebendigen KünstlerInnenszene in Dschidda, der im Vergleich zu Riad deutlich liberaleren Hafenstadt am Roten Meer. Dort trifft man auch Schauspieler und Aktivisten wie  Hisham Fageeh, der schon vor einigen Jahren in diesem Video seinen sarkastischen Kommentar zum Fahrverbot für Frauen und zur reaktionären religiösen Ideologie dahinter zum Besten gab:

Fageeh kennen manche vielleicht aus dem Spielfilm „Barakah Meets Barakah“, einer saudische Komödie über eine Liebesgeschichte in einem Land, in dem sich unverheiratete Männer und Frauen eigentlich gar nicht treffen, geschweige denn, miteinander ausgehen dürfen.
Der Film machte unter anderem auf der Berlinale 2016 Furore. In Saudi Arabien wurde er nie gezeigt. Wo auch – Kinos sind bislang verboten. Auch das soll sich demnächst ändern. Aber wie immer in diesem Land folgen auf zwei Schritte nach vorn mindestens anderthalb zurück. Derzeit ist gerade wieder eine Verhaftungswelle gegen Regime-Kritiker im Gang.

 

 

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