Kongo goes to Hollywood

Am Sonntag werden in Los Angeles zum 85. Mal die Oscars verliehen. Bei der Kategorie “Bester fremdsprachiger Film” wird im Publikum kurz ein Mädchen namens Rachel Mwanza ins Bild rücken, Hauptdarstellerin des nominierten Spielfilms “Rebelle”. Kinokennern dürfte der Titel vertraut sein: Der Film des kanadischen Regisseurs Kim Nguyen über eine 14jährige afrikanische Kindersoldatin lief im vergangenen Jahr auf zahlreichen Festivals – unter anderem im Wettbewerb der Berlinale 2012.

“Rebelle” (der englische Titel lautet “War Witch”) wurde in der Demokratischen Republik Kongo gedreht. Das Mädchen Komona erzählt ihrem ungeborenen Kind ihre Lebensgeschichte: wie sie im Alter von 12 Jahren von Rebellen entführt und zum Tragen einer Waffe gezwungen wird; wie sie selbst ein Massaker überlebt; wie sie tötet; wie sie Zuneigung fasst zu einem anderen Kindersoldaten, den sie “Magier” nennt.
“War Witch” ist das filmische Pendant zu “Beasts of No Nations”, dem ebenso grandiosen wie erschütternden Buch des nigerianisch-amerikanischen Autors Uzodinma Iweala. Auch Iweala wählt für die Schilderung des Themas der Kindersoldaten die Perspektive eines Jungen, der vom Opfer einer Rebellengruppe zu deren Kämpfer und damit zum Mörder wird. Und doch ein Kind bleibt.

Rachel Mwanza, 1997 geboren, war wie die meisten Hauptdarsteller in “War Witch” noch nie vor einer Kamera gestanden. Von ihren Eltern verlassen, hatte sie jahrelang als Shegue, als Straßenkind, in Kinshasa überlebt, bis Nguyen sie für seinen Film castete. In Berlin bekam sie 2012 den Silbernen Bären als beste Darstellerin. Beim Tribeca Film Festival in New York wurde sie ebenfalls ausgezeichnet.
Inzwischen hat sie ihren zweiten Film gedreht: In “Kinshasa Kids” des belgischen Regisseurs Marc-Henri Wajinberg spielt sie – ein Straßenkind.
“Rebelle” hat bei den Oscars wohl nur Außenseiter-Chancen. Was Rachel Mwanza nicht allzu sehr stört. Sie ist froh, endlich ihr Visum für die USA zu haben und hofft, schreibt zumindest die Los Angeles Times, vor allem auf ein Treffen mit ihrem Idol, der Sängerin Beyonce.

About these ads

Über andreaboehm61

Ich bin Korrespondentin für den Nahen und Mittleren Osten für die Wochenzeitung "Die Zeit" und lebe in Beirut. Ich schreibe und blogge auch, aber nicht nur, über Krisen und Konflikte. Mich interessieren sichtbare und unsichtbare Routen und Grenzen, der Alltag von Menschen in Krisengebieten, die Krisen in ihrem Alltag und ihre Kunst des Überlebens. I am the correspondent for Middle Eastern Affairs for the German weekly "Die Zeit" based in Beirut, Lebanon. I write and blog about conflicts, crises and upheavals in the region. And about the art of survival, about visible and invisible routes and borders, about the daily life of people in regions of crisis and about the crises in their daily lives.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s