Kongo-Tagebuch: Die Wutbürger von Bukavu

Bukavu, am frühen Morgen kurz vor sechs. Friedlich und angenehm kühl. Ein paar Stunden später ist es mit der Ruhe vorbei. Studenten demonstrieren gegen die Regierung Kabila, zünden Parteibüros an, liefern sich schwere Straßenschlachten mit der Polizei, die mit scharfer Munition schießt. Zu solchen Wutausbrüchen über den Fall von Goma, die Niederlage der eigenen Armee und das vermeintliche Versagen der UN-Mission war es zu vor schon in Kisangani gekommen.

Die M23-Rebellen haben inzwischen die Stadt Sake in Nord-Kivu eingenommen und bewegen sich Richtung Süden. Es wird spekuliert, dass sie auf den Flughafen von Bukavu marschieren (der allerdings anders als in Goma weit außerhalb der Stadt liegt), um dort eines der Logistikzentren der kongolesischen Streitkräfte zu blockieren.

Am Vormittag ein Gespräch mit einem kanadischen Polizeiausbilder, der am Tag zuvor aus Goma evakuiert worden war. Sein Einsatz ist fast um. Acht Monate Grundausbildung für kongolesische Polizeianwärter, “viele ehemalige Rebellen”: Verhalten bei Demonstrationen, Formationen bilden, Einsatz von Schild, Schlagstock, Pfefferspray. Den Einsatz von Schusswaffen beherrschten die Schüler schon, der Grundsatz, sie nur im äußersten Notfall einzusetzen, sagt der Kanadier, “war nur schwer zu vermitteln.”  Einige seien mitsamt Ausrüstung zur M23 übergelaufen. “Letztlich haben die von unserem Training profitiert.” Er fliegt nach jetzt in den Urlaub nach Vietnam.

Wie lange dauert es, bis ein Land vom Kriegsgebiet zum Ferienziel wird? Dreißig, vierzig Jahre? Im Kongo wahrscheinlich länger.

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Über andreaboehm61

Ich bin Reporterin für die Wochenzeitung "Die Zeit". Meine Themenschwerpunkte: Internationale Politik, Afrika, Internationale Strafjustiz, Konflikte und Krisen aller Art
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Eine Antwort zu Kongo-Tagebuch: Die Wutbürger von Bukavu

  1. inabea schreibt:

    Danke für die Berichte und alles Gute! Habe gerade einen Flug nach Kinshasa für den 28. Januar 2013 gebucht. Ob das wohl klappen wird? Hier (CH) hat man das Gefühl, dass niemand sich wirklich für diesen “Konflikt” (Tumult? oder was auch immer…) interessiert. Zu kompliziert!

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